Lebenskunst

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Nach oben schauen

Von Rolf Strathewerd | 05.06.2006

Von einem Besuch im Palast der Projekte brachte ich folgendes Experiment mit: nach oben schauen. Das Übungsgerät in der Ausstellung als Anregung nutzend habe ich es heute morgen einmal beim Brötchenholen in abgewandelter Form ausprobiert: den Blick immer oberhalb der Horizontlinie halten. Es ist ungewohnt. Statistisch – wird in der Ausstellung behauptet – laufen wir meist mit gesenktem Blick durch die Gegend. Der Erfinder des Übungsgerätes ging davon aus, das der Blick nach oben zu einer positiveren Lebenseinstellung führt.

Mir jedenfalls kam es nach kurzer Zeit so vor, als ob mein Blick seine eigene Schwere hätte, die ihn in Richtung Erde ziehen würde. Natürlich bildete ich mir das ein, ab die Gewohnheit doch die meiste Zeit nach unten zu blicken, zeigte Wirkung. Aber interessanter noch war der Effekt auf meine Gedankenwelt. Ich war wesentlich mehr mit Schauen beschäftigt. Während der Blick nach unten mangels Ablenkung (Pflastersteine sind nicht wrklich interessant) Raum zum Nachdenken, schlimmstenfalls zum Grübeln, läßt, fordert beim Blick nach oben die Welt meine Aufmerksamkeit. Ob das dann tatsächlich zu einer positiveren Einstellung führt, weiß ich noch nicht. Aber wenigstens nahm ich mehr von der Welt wahr.

Noch ein Wort zum Palast der Projekte. Für meinen Geschmack war er zu textlastig und zu wenig visuell. Wenn man nicht gerade in der Gegend ist, reicht der Besuch der Website völlig aus. Sie ist sehr ausführlich.

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Umzug

Von Rolf Strathewerd | 03.04.2006

Ein Umzug frisst Resourcen. Und wenn er dann noch mit der Zusammenlegung von zwei Haushalten und einem Wohnungsverkauf verbunden ist, wird es ganz arg. Was bleibt (zu viel), was kommt weg (zu wenig), tragen, arrangieren und der Bürokratie Genüge tun.
Und auch, wenn wir schon im Januar mit den ersten Handgriffen begonnen haben, so blieb in den letzten Wochen keine Zeit zur Muße.
Wir haben zwar unheimlich viel geschafft, aber die reine Beschäftigung mit dem Nützlichen ist etwas, was Lebensqualität raubt. Die Phantasie nur noch zum Lösen von kleinen Problemen einzusetzen, lässt sie einrosten.
Um so schöner war der Moment am Sonntag, als die Wohnung leer, geputzt und übernahmebereit war.
Zeit für un-erhebliches, un-nützes und frag-würdiges.
Zeit fürs Leben.

Nebenbei: ein Umzug ist auch die hautnahe Erfahrung, dass Besitz unfrei macht (vor allem, wenn man diesen Besitz auch noch selber trägt).

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Achenbach

Von Rolf Strathewerd | 13.02.2006

Sicher kommt Gerd Achenbach das Verdienst zu die erste philosophische Praxis gegründet zu haben und sicher enthalten seine Bücher gute Gedanken, Aber dennoch empfinde ich sein Werk sehr zwiespältig. Das liegt sicher zum Teil an seinem mäandrierenden Schreibstil. Aber erheblich mehr stört mich sein eigenwilliger Umgang mit dem einen oder anderen Philosophen. Stellvertretend sei seine beiläufige Diskreditierung Epikurs genannt. Er tut dies ausgerechnet mit einem Zitat aus Malte Hossenfelders hervorragenden Buch über Epikur. Dort schreibt Hossenfelder an einer Stelle, dass Epikurs Verhaltensregeln heutzutage jedem Spiesserverein als Satzung gelten können.
Epikur nur etwas für Spiesser?
Liest man das Zitat im Zusammenhang, so wird klar, dass lediglich die rein äusserliche Rezeption von Epikur und Stoa gemeint ist. Hossenfelder will im Gegenteil darauf hinaus, dass bei genauerer Betrachtung die Lehren eine beachtliche Sprengkraft haben.
Achenbach verschweigt dem Leser an dieser Stelle also nicht nur, dass Hossenfelder eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte, sondern auch, dass das Zitat in gleichem Mass auch die Stoa trifft, auf die wiederum Achenbach grosse Stücke hält.
Hmm…

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Freiheit zu

Von Rolf Strathewerd | 08.01.2006

Bei Wilhelm Schmid traf ich auf einen eigentlich ganz einfachen Gedanken: die Unterscheidung zwischen “Freiheit von” und “Freiheit zu”. Üblicherweise wird der Begriff Freiheit als “Freiheit von” verstanden. Freiheit von Zwängen, Einmischung, Vorschriften etc. Die Freiheit allein so aufzufassen läuft aber ins Leere, denn nachdem ich mich von allem befreit habe, ist da nichts mehr. Eine so ausgelegte Freiheit ist ein negativer Begriff.
Es ist daher notwendig ihn zu ergänzen um die “Freiheit zu”. Also die Chance dieses oder jenes zu tun. Erst mit dem Aufgreifen dieses Aspekts kann Freiheit gelingen.

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Glück und Erfolg

Von Rolf Strathewerd | 27.12.2005

Auf Telepolis wird im Artikel Erfolg hat, wer glücklich ist auf eine interessante Studie hingewiesen: The Benefits of Frequent Positive Affect: Does Happiness Lead to Success?. Kurz gesagt wird in ihr festgestellt, dass nicht Erfolg zu Glück führt, sondern das glückliche Menschen eher Erfolg haben. Es macht also Sinn von vorneherein an der eigenen Glücksfähigkeit zu arbeiten. Oder andersherum gesagt: sich allein wegen der Belohnung “Glück” durch Tätigkeiten hundurchzuquälen, ist mit dieser Studie noch fragwürdiger geworden.

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