Es gibt eine Menge interessanter Dinge in der Welt: spanische Poesie, Chemie, Politik, Musik, das ist alles sehr interessant, und man kann es keinem übel nehmen, der sich dafür interessiert; um aber als ein Individuum in einer bestimmten Lage etwas zustande zu bringen, mus man sich an etwas Bestimmtes halten und seine Kraft nicht nach vielen Seiten zersplittern.

Georg Friedrich Hegel; Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften

Man muß diesen Worten Hegels nicht glauben; sie lassen sich sogar beweisen: Da das menschliche Leben begrenzt ist, ist damit auch die Menge interessanter Dinge begrenzt, mit denen man sich befassen kann. Eine Ausfahl findet also zwangsläufig statt. So bleibt nur die Wahl, ob man an der Oberfläche der Dinge bleiben möchte, oder tiefer in sie eintauchen will. Und da spanische Poesie, Chemie, Politik und Musik mehr als nur fünf Minuten Zeit brauchen um auch nur ein oberflächliches Verständnis zu entwickeln, müssen Entscheidungen getroffen werden.
Entscheidungen darüber, wie tief man sich in ein Thema zu Ungunsten aller anderen Versenken will. Zudem sind es Entscheidungen unter Risiko, denn ich kann nicht wissen, was mir in dem entgeht, womit ich mich nicht beschäftige.
Ich gehe also das Risiko ein, nicht das Optimum für mich zu erreichen. Aber entscheide ich mich gar nicht, so erreiche ich grantiert ein Minimum.
Also muß ich mich entscheiden. Dabei hilft die Volksweisheit, dass die Trauben in Nachbars Garten immer süßer sind, als die im eigenen Garten. Oder umgekehrt: Auch wenn mir vieles andere im Moment verführererischer als das, womit ich mich gerade beschäftige, erscheint, so ist meist nur meine Bewertung schief.
Aber einfach ist es trotzdem nicht.